42nd MILITARY-World-CHAMPIONSHIP im Orientierungslauf

Vom 14.09. bis 20.09.2009 fanden in Voru/Vastseliina/Haanja/ESTLAND die 42. Militär-Weltmeisterschaften im Orientierungslauf statt. 193 Soldaten und 71 Soldatinnen aus 26 Nationen versuchten in den Kategorien Lang- und Mitteldistanz sowie in der Mannschafts- und Staffelwertung das Siegerpodest zu erklimmen.

Das Bundeswehrteam setzte sich aus folgenden Läufern zusammen:

  • HptFw Thomas Behnke, AusbZ, Munster (gleichzeitig Trainer),
  • Maj Christoph Freudenfeld, LogSBw, Garlstedt,
  • HptFw Klaus Rehner, AufklBtl 13, Gotha,
  • HptFw Sven Karstädt, AusbZ, Munster,
  • HptFw Thorsten Belde, LL/LTS, Altenstadt,
  • OGefr Marco Jensch, EinsFüKdoBw, Potsdam,
  • OGefr Sebastian Cionouiu, SportSBw, Warendorf.

Komplettiert wurde die Mannschaft durch den Missionschef, OTL Ralf Greiselis,
Heeresamt in Koblenz, und dem Team-Captain StFw Hans-Joachim Riehl, LL/LTS aus
Altenstadt. Vier Damen hätten zusätzlich gemeldet werden können, standen aber dieses Jahr leider nicht zur Verfügung.

Die deutsche Delegation war ohne Titelambitionen nach ESTLAND gereist und wollte vorrangig das Ergebnis des Vorjahres verbessern. Zwar waren die besten aktiven bekannten Orientierungsläufer der Bundeswehr am Start, aber um sich mit den großen Orientierungslauf-Nationen messen zu können, wird diese Sportart in der Bundeswehr zuwenig gefördert.

Nach der Anreise am Montag war der Dienstagvormittag dem Training gewidmet.
Gelaufen wurde in einem Gelände, das nahe dem Wettkampfgelände des Folgetages lag. Schnell wurde den Athleten klar, was sie erwarten würde! Anders als es bei der Mitteldistanz und Staffel zu erwarten sein würde, fanden die Läufer einen gut und schnell belaufbaren Wald vor, der durch viele kleinere Gräben und Hügeln gekennzeichnet war. An manchen Stellen war auch dichter Bewuchs vorzufinden, bei der die Sicht stark eingeschränkt war. Markant und nicht zu übersehen, teilte ein Fluss mit einer Breite von ca. 5-10 Metern das Wettkampfgelände, so dass man schon ahnte, was auf die Athleten am nächsten Tag zukommen wird.

Am Dienstagnachmittag wurde die WM mit dem Einmarsch der Nationen sowie einzelner
Begrüßungsreden eröffnet. Beendet wurde die Zeremonie durch das Programm einer
Tanzgruppe.

Am Mittwoch wurde es endlich ernst. Zum Auftakt der 42. Militärweltmeisterschaften
Orientierungslauf durften sich die Athleten/-innen über die Langdistanz beweisen.

Karte CISM LangdistanzDie Herren hatten eine Streckenlänge von 15,1 km und 450 Höhenmeter mit 31 Posten, die Damen 9,2 km und 350 Höhenmeter mit 19 Posten zu absolvieren. Um 10:00 Uhr lokaler Zeit eröffnete HptFw Thomas Benke mit der Startnummer 1 die Strecke. Mit einem zeitlichen Abstand von einer Minute folgten die anderen Athleten, so dass sich der Wald bald gefüllt hatte. Was am Vortag im Training erahnt wurde, gestaltete sich während des Wettkampfes zur interessanten Herausforderung.

Der Fluss musste ca. in der Hälfte der Strecke durchquert werden, wobei man nicht wusste, ob man nur bis zum Bauch oder bis zur Brust durch das Wasser waten würde. Einige fordernde Routenwahlaufgaben rundeten diesen Wettbewerb ab.

Bei den Damen ließ die Russin Julia Novikova (65:55) ihren Konkurrentinnen keine Chance und setzte sich klar vor der Litauerin Sandra Pauzaite (69:15) und der Finnin Riikka Timperi (71:17) durch.

Bei den Herren zeigte der Langdistanzweltmeister der zivilen WM in Ungarn, Daniel
Hubmann
aus der Schweiz, dass derzeit kein Weg an ihm über diese Distanz vorbeiführt. Er setzte sich klar (76:19) vor dem Franzosen Francois Gonon (80:02) und seinem Schweizer Teamkollegen Matthias Merz (80:47) durch.

Bester Deutscher wurde OGefr Marco Jensch (118:33), der bei seiner ersten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft einen beachtlichen 97. Platz belegte und HptFw Klaus Rehner (121:20) mit dem 102. Platz nur knapp hinter sich ließ.

Der Donnerstag galt wieder dem Training und der unmittelbaren Vorbereitung für die
nächsten Wettbewerbe, der Mitteldistanz sowie dem Staffel-Wettbewerb. Da noch allen die Langdistanz in den Knochen steckte und die Muskulatur nicht mehr ganz locker war, galt es an diesem Tag, locker durch das neue Gelände zu laufen und sich wieder mit den Besonderheiten der Karte vertraut zu machen.

Als weitere Regenerationsmaßnahme stand ein Besuch in der 15.000 Einwohner-Stadt Voru als kulturelles Angebot auf dem Programm, das auch von allen Nationen genutzt
wurde.

CISM Karte Mitteldistanz
CISM Karte Mitteldistanz

Am Freitag, dem zweiten Wettkampftag, stand die Mitteldistanz auf dem Programm. Dabei hatten sich die Männer über 5,4 km, 170 Höhenmeter mit 20 Kontrollposten und
die Damen über 4,5 km, 130 Höhenmeter  mit 17 Kontrollposten durch dicht bewachsenen estnischen Wald zu kämpfen, der aber auch viele kleine Hügel und Senken zu bieten hatte. Anders als bei der Langdistanz waren auch unzählige Sümpfe über den Wald verteilt. In manchem Sumpf konnte man durchaus bis zu den Knien einsinken, so dass es umso wichtiger war, die Routenwahl dem Gelände anzupassen. Hat man einmal die Orientierung verloren, ist es in diesem Gelände, in dem alles sehr ähnlich aussieht, schwierig, seine eigene Position wieder zu bestimmen, wobei man gleich wertvolle Sekunden bzw. Minuten verlieren konnte. Sowohl bei den Damen als auch bei den Herren blieb kaum jemand fehlerfrei, wodurch ein spannender Rennverlauf gesichert war.

Bei den Damen gab es mit Aija Skrastina (30:54) eine lettische Siegerin.
Dahinter klassierten sich die Russinnen Julia Novikova (31:28) und
Galina Vinogradova 31:58).

In einem Sekundenduell setzte sich bei den Herren abermals Daniel Hubmann aus der Schweiz (27:30) nur fünf Sekunden vor dem Russen Valentin Novikov (27:35) durch. Platz drei ging an den Schweizer Fabian Härtner (27:56).

Klaus Rehner beim ZieleinlaufAus dem deutschen Team konnte sich dieses Mal HptFw Klaus Rehner (44:43) auf dem 91. Platz vor  OGefr Marco Jensch (53:54) auf dem 116. Platz aufgrund seiner langen Erfahrung behaupten. Nicht zu vergessen auf dieser Distanz war auch die Leistung von OGefr Sebastian Cionoiu der mit (54:53) ebenfalls mit seiner ersten WM-Teilnahme einen beachtlichen 118. Platz erkämpfen konnte.

Obergefreiter Sebastian Cionoiu beim Stempeln des Sichtposten in der Staffel

Durch Zeitaddition der vier schnellsten Läufer bzw. drei schnellsten Läuferinnen in der Lang- und Mitteldistanz wurden die Mannschaftssieger ermittelt. Hier dominierte bei den Herren die Schweiz vor Russland und Finnland, bei den Damen siegte Russland vor Litauen und Estland.

Deutschland belegte in dieser Nationenwertung Platz 21. Somit konnte sich das deutsche Team weiter nach vorne arbeiten.

Samstags wurde der Staffel-Wettbewerb gestartet. Das Gebiet war dasselbe wie in der
Mitteldistanz aber mit unterschiedlichen Posten. Je drei Läufer/-innen bildeten
eine Staffel. Im Start-/Zielbereich gab es zwei Sichtposten, an denen man seine
Kameraden lautstark anfeuern konnte. Bei den Herren warteten 7,5 km und 130
Höhenmeter mit 24 Posten, bei den Frauen 5,2 km und 100 Höhenmeter mit 18
Posten darauf, von den Wettkämpfern so schnell wie möglich bewältigt zu werden.
Als die Siegerteams feststanden, befand sich von einigen Nationen erst der zweite Läufer im Wald. Sieger wurde bei den Männern das Team Schweiz 1 (1:55,53 Std) vor Russland 1 (1:56,02 Std) mit nur spektakulären 9 Sekunden Rückstand und Finnland 1 in (1:59,21 Std).
Bei den Frauen konnte Lettland (1:56,49 Std) vor Litauen (1:57,35 Std) und Estland (2:05,49 Std) den Sieg sichern.
Deutschland 2 mit Maj Freudenfeld, HptFw Belde und HptFw Karstädt kamen mit ihrer Zeit (4:33,55 Std). auf Platz 38 von insgesamt 48 Staffeln
(22. Platz in reiner Nationenwertung).
Deutschland 1 mit OGefr Jensch, HptFw Rehner und OGefr Cionoiu wurden infolge eines Fehlstempels trotz beachtlicher Zeit disqualifiziert.

Alle Ergebniss/Eindrücke von diesem Wettbewerb finden sie hier.

Mit der Siegerehrung und einem anschließenden Bankett wurde diese Militär-WM
beendet.

Abschließend kann folgendes Resümee gezogen werden: Die Estländischen Streitkräfte hatten in Kooperation mit dem benachbarten Orientierungslauf-Verein eine sehr gute
Veranstaltung organisiert. Unterkunft, Verpflegung und Transport waren hervorragend geregelt. Die einzelnen Laufstrecken waren anspruchsvoll angelegt und einer Weltmeisterschaft würdig. In den deutschen Streitkräften muss die Sportart Orientierungslauf mehr gefördert werden, um nicht ganz den Anschluss zu verlieren und künftig bessere Platzierungen erreichen zu können. Zum heutigen Zeitpunkt steht leider noch nicht fest, wo die nächste Militär-WM stattfindet. Die Türkei, das als Gastgeberland für 2010 vorgesehen war, musste leider die Nominierung zurückweisen!

Deutschland ist auf dem richtigen Weg, die hinteren Plätze zu verlassen. Jedoch wird es
noch einige Jahre benötigen, sich im Mittelfeld zu festigen! Hierbei wird man immer wieder auf jüngere Orientierungsläufer angewiesen sein, die schon in jungen Jahren diesen faszinierenden Sport ausgeübt haben und das deutsche Team mit ihrem Können verstärken!

Team GERMANY

„Grüße aus ESTLAND“

Hintere Reihe von links nach rechts: StFw Riehl, HptFw Behnke, HptFw Belde,
OGefr Jensch, OGefr Cionoiu.
Vordere Reihe von links nachrechts: HptFw Karstädt, Maj Freudenfeld, HptFw Rehner, OTL Greiselis.

Bericht: Hans-Joachim Riehl
Foto´s: Hans-Joachim Riehl
Karten: Quelle CISM Estland

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